Erfolgsgeheimnis

Das steckt hinter Eishockey-Überraschung

Charakter und starke Special Teams brachten WM-Ticket 2019.

Mit dem Ticket für die nächste Weltmeisterschaft trat Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft am Dienstag die Heimreise aus Kopenhagen an. Als Vater des Erfolgs gilt Roger Bader. Die Entscheidung, nach der total verpatzten Olympia-Qualifikation im Herbst 2016 den Ausbildungschef zum Teamchef zu machen, erwies sich als goldrichtig.

Der 53-jährige Schweizer führte Österreich zurück in die A-WM und zum ersten Klassenerhalt seit 14 Jahren. Bader ist ein kommunikativer Trainer und akribischer Arbeiter, der sich unermüdlich auch für bessere Strukturen im österreichischen Eishockey einsetzt. Nachwuchsförderung, Trainerausbildung und mehr Chancen für heimische Spieler in der Liga sind Themen, über die Bader lange und leidenschaftlich diskutieren kann. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass in der abgelaufenen Saison bei den acht österreichischen EBEL-Clubs rund 100 Legionäre im Einsatz waren und selbst für Teamspieler manchmal nur Nebenrollen bleiben.

In Kopenhagen zeigte sich das Team stark im Powerplay (5 Tore in Überzahl gegenüber keinem in Prag 2015), in Unterzahl und bewies in der entscheidenden Phase Charakter. Am Tag nach der Niederlage im ersten Schlüsselspiel (2:5 gegen Frankreich) lieferte die ÖEHV-Auswahl im Entscheidungsspiel gegen den Abstieg eine starke Leistung ab. "Ich habe weniger die Stars berücksichtigt, sondern versucht, ein Team aufzubauen und die Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen. Das hat auch zu einem wirklich guten Teamspirit geführt", sagte der Coach.

Routiniers waren zur Stelle

Ausgerechnet die von ihm davor stark kritisierten Routiniers wurden beim 4:0 gegen Weißrussland zu Matchwinnern: Torhüter Bernhard Starkbaum, schon Garant für den Punktgewinn gegen die Schweiz, feierte sein erstes "shut-out" (ohne Gegentor) bei einer A-WM, Konstantin Komarek steuerte ein Tor und einen Assist bei.

Und Michael Raffl erwies sich mit Fortdauer des Turniers immer mehr als die Verstärkung, die man sich erhofft hatte. Der einzige NHL-Spieler im Kader stieß ohne intensives Training und verspätet zum Team und benötigte Anlaufzeit. Danach spielte er seine Stärke mit dem Puck aus und verbuchte schließlich in fünf Spielen vier Tore. "Der Anfang hat mich schon sehr geärgert. Gegen Slowakei habe ich mich gefühlt wie zum ersten Mal nach dem Sommer auf dem Eis, das war mir richtig peinlich", sagte Raffl, der letztlich aber auch persönlich positiv bilanzierte: "Das war eine der besseren Weltmeisterschaften, die ich gehabt habe."

Sonderlob vom Teamchef erhielt aber auch WM-Debütant Peter Schneider. Lukas Haudum (20) und Dominic Zwerger (21) bewiesen ihr großes Potenzial, auch Spieler wie Alexander Rauchenwald oder Patrick Spannring, die im Team größere Rollen als im Verein hatten, zeigten auf.

Baders Ziel ist, Österreich als A-Nation zu etablieren. Zunächst gilt es, in der Slowakei 2019 wieder die A-Gruppe zu halten. Da Österreich einen der Aufsteiger Großbritannien und Italien zum Gegner bekommt, wohl mit größeren Chancen. Danach soll die Qualifikation für Olympia 2020 gelingen.

Bader möchte dafür wieder ein intensives Vorbereitungsprogramm und sein Team schon im Juli wieder sehen. Er würde gerne ein Kick-off Meeting mit einem großen Kader inklusive der NHL-Spieler auf Heimaturlaub machen. Ein Länderturnier im Februar will der ÖEHV in Österreich veranstalten. In der Vorbereitung auf die nächste WM erhofft sich Bader stärkere Gegner, um sich auf die höhere Intensität einer A-WM besser einstellen zu können. Zumindest Letzteres sollte sich erfüllen. Tschechien ist an Spielen interessiert, der Verband will auch Rekordweltmeister Kanada in der unmittelbaren WM-Vorbereitung wieder nach Österreich holen.

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