Nach 9. Scheitern

Bullen hadern mit Champions-League-Fluch

Die sechste Teilnahme an der Europa League ist nur ein schwacher Trost.

Die Enttäuschung bei den Spielern war auch lange nach Spielende noch nicht verflogen. Österreichs Fußball-Meister Red Bull Salzburg hat am Mittwoch gegen Dinamo Zagreb die bisher vielleicht größte Chance auf den Einzug in die Champions League ausgelassen. Die sechste Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League ist nur ein schwacher Trost. Die Auslosung erfolgt am Freitag (13.00 Uhr) in Monaco.

Einzig Abwehrchef Martin Hinteregger richtete den Blick demonstrativ schnell wieder nach vorne. Dabei gilt ausgerechnet seine Zukunft in Salzburg als offen. "Wir tun jetzt alles in der Liga, damit wir nächstes Jahr wieder die Chance haben in der Champions League", versicherte der ÖFB-Teamspieler nach dem neunten vergeblichen Anlauf der Red-Bull-Ära. "Vielleicht klappt es beim zehnten Mal. Irgendwann ist der Fußball-Gott auf unserer Seite."

Ob er den Club bis Transferschluss am Mittwoch noch verlassen könnte, wollte Hinteregger so kurz nach dem CL-Aus nicht kommentieren. Seine Aussagen lassen es aber nicht vermuten. "Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir sind eine richtig coole Truppe", sagte der 23-Jährige, der im Sommer von einem halbjährigen Leihengagement von Borussia Mönchengladbach nach Salzburg zurückgekehrt ist und dort bis 2019 unter Vertrag steht.

Lob für Garcia

Auch den Trainer lobte Hinteregger über den grünen Klee - nicht nur aufgrund der taktischen Neuausrichtung mit größerem Fokus auf die Defensive, sondern auch, weil er nach dem Spiel die richtigen Worte gefunden habe. "Der Trainer hat einen Megajob gemacht", meinte Hinteregger. Und die Europa League sei auch nichts Schlechtes. "Ich mache mir keine Sorgen, dass wir dort nicht alles geben. Wir schauen, dass wir dort für Furore sorgen."

Finanziell ist der Kuchen im Europas zweiter Liga aber deutlich kleiner. 14,3 Mio. Euro an Fixprämien von der UEFA hätten die Salzburger inklusive Qualifikation für die Teilnahme an der Champions League erhalten. Für die Europa League sind es vorerst 5,95 Mio. Euro. Dazu kommt noch der vor den Augen von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz verpasste Prestigegewinn.

© Gepa

Salzburg gegen Zagreb

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Aufgebracht reagierte Sportdirektor Christoph Freund auf das Aus. Der Salzburger beschwerte sich noch nach Spielende (1:2 n.V.) lautstark beim schottischen Schiedsrichter Craig Thomson - unter anderem wegen eines nicht gegebenen Handelfmeters beim Stand von 1:0 (62.). "Die Enttäuschung ist extrem. Wir scheiden wieder aus und wissen nicht warum", sagte Freund. Auch Torschütze Valentino Lazaro sprach von einem "komplett schwindligen Schiri".

Kritik an "Negativität"

Dieser allein war aber nicht ausschlaggebend. "Es ist jetzt schon öfter vorgekommen, dass wir vorne das Tor nicht machen", sagte Lazaro. Zudem kritisierte der 20-Jährige die "Negativität", die er nach dem späten Gegentreffer zum 1:1 auf dem Platz spürte. Der Jungnationalspieler musste da wegen einer Knöchelblessur, die er schon in der Halbzeit mit Schmerzmittel zu unterdrücken versuchte, bereits von der Bank aus zusehen.

Lazaro hatte sowohl im Hin- als auch im Rückspiel Salzburgs Führungstreffer erzielt. Glücklich war er am Ende dennoch nicht. Der Frust saß tief, der Lebenstraum von der Champions League war kurz vor der Erfüllung geplatzt. "Wir waren wieder einmal zu dumm", meinte der Mittelfeldspieler. "Es gibt nichts schönzureden. Es hat wieder nicht gereicht. Jetzt kann wieder jeder über uns lachen."

Zum sechsten Mal standen die Bullen in der letzten Quali-Runde - zum sechsten Mal gelang der finale Schritt nicht. "So nahe waren wir noch nie. Wir waren mit einem Bein in der Champions League", sagte Routinier Christian Schwegler. Das Gegentor kam in Minute 87.

Schlager gegen Rapid

"Jetzt ist eine gewisse Leere da." Ein mentales Problem ortet er nicht. Schwegler: "Wahrscheinlich ist es ein Fluch, weil diesmal hätten wir es verdient gehabt." In den vergangenen Jahren hatte die Bullen nach Enttäuschungen in der CL-Qualifikation mitunter auch national zu kämpfen.

Am Sonntag (16.30 Uhr) wartet aber bereits der Ligaschlager bei Rapid. "Wenn wir uns jetzt hängen lassen, gewinnen wir das Spiel nicht", sagte Schwegler. "Wir versuchen, den Frust in gute Taten umzusetzen."

Laut Hinteregger kommt das Topspiel sogar zur rechten Zeit. "Wenn wir gewinnen, wäre das sehr wichtig." Zumal danach die erste Länderspiel-Pause der Saison wartet.

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