ORF-Abschied?

Bundesliga: Darum stockt der TV-Poker

Salzburger Geschäftsführer klärt über die Rechte-Verhandlungen auf.

Noch ist der neue TV-Vertrag für Österreichs Bundesliga nicht in trockenen Tüchern. Aus Sicht von Salzburgs kaufmännischem Geschäftsführer, Stephan Reiter, kann sich die Zukunft der bewegten Ligabilder auch völlig abseits frei empfangbarer Kanäle abspielen. "Free-TV ist kein Muss", betonte Reiter am Rande des Europa-League-Gastspiels der Bullen in Konya.

Bisher lukrierte die Liga 22,5 Millionen Euro pro Saison. Neben Sky, das alle Spiele zeigt, ist eine Sonntagspartie auch im ORF zu sehen. Die Liga erhofft sich mit dem ab der Reform-Saison 2018/19 (zwölf Vereine in der Bundesliga, 16 in der Ersten Liga) gültigen neuen Vertrag eine Steigerung auf bis zu 30 Millionen. Für Salzburg liege die Bedeutung der TV-Gelder auf der Hand.

"Es ist ein Unterschied ob wir eine Million Einnahmen haben oder erheblich mehr", sagte Reiter. Schließlich muss Salzburg, seitdem Red Bull nur noch Sponsor und nicht mehr Eigentümer ist, die Ausgaben genauer kontrollieren. Die Ausgangslage in Österreich biete "sicher Chancen".

"Haben keinen Riesenwettbewerb"

"Sky könnte mit Exklusivität seine Abos weiter pushen. Und für den ORF ist sicher auch ein gewisser Druck da, weil er im Fußball bald keine internationalen Rechte (Champions League und Europa League, Anm.) mehr hat", so Reiter. Andererseits sei die Situation im Vergleich zu anderen Ländern auch zu einem gewissen Grad bescheiden.

"Wir haben im Vergleich mit anderen Ligen schon ein deutliches Defizit. Dass wir keinen Riesenwettbewerb der Privatsender und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich haben, ist bekannt und für das Produkt TV-Fußball sicher nicht von Vorteil." Daher dürfe man "keine Luftschlösser bauen".

Wer auch zum Zug kommt - zusätzlich zu den "konventionellen" Sendern drängen ja auch noch junge Streaming-Angebote wie DAZN auf die Märkte -, es müsse nicht Free-TV um jeden Preis sein. "Natürlich sind ORF-Sonntagsspiele gerade für uns interessant, weil wir aufgrund unserer Erfolge und der regelmäßigen Teilnahme in der Europa League oft dabei waren. Aber man muss auch bei den Einschaltquoten die Kirche im Dorf lassen", meinte Reiter.

"Es hat in den vergangenen Jahren eine starke Verschiebung der Werbewerte hin zum Online-Bereich gegeben. Auch über Social Media generieren wir mittlerweile für unsere Partner einen enormen Werbewert." Der über TV eingespielte Werbewert (freies und Bezahlfernsehen) sei eben nur ein Teil. Dem Vernehmen nach bewegt er sich um die 20 Prozent.

Dass die Liga im April einen neuen Verteilungsschlüssel für künftige TV-Einnahmen beschloss (30 Prozent Sockelbetrag, 20 Prozent Österreicher-Topf, 30 Prozent erreichte Punkte, 20 Prozent Stadionbesuch), sei aus Sicht Salzburgs positiv.

"Bullen" wollen nicht ausscheren

Reiter: "Zukünftig ist der performance-orientierte Gedanke größer, das ist deutlich fairer und kommt uns auch zu gute. Es ist auch nur logisch, dass der sportliche Erfolg einer Mannschaft entsprechend hoch bewertet wird. Darin liegt ja das Wesen des Fußballs, nämlich Spiele zu gewinnen und erfolgreich zu sein." Auch, dass der Österreicher-Topf hinkünftig weniger stark gewichtet wird, sei kein Nachteil. Und ohnehin: "Wir werden wegen dem Österreicher-Topf nicht unsere Strategie ändern."

In puncto Zuschauerzahlen stehe man schließlich auch nicht so schlecht da: "Das war immer eine Forderung besonders von Rapid. Wenn man den Unterschied zu Rapid weglässt, kommen dann schon Sturm Graz, die Austria und wir. Natürlich muss man dabei Rahmenbedingungen wie Einwohnerzahlen, geografisches Umfeld oder Stadiongröße berücksichtigen. Aber auch da stehen wir uns in einem Wettbewerb gegenüber."

Ein Ausscheren seines Vereins könne er sich jedenfalls nicht vorstellen. "Wir können uns nur gemeinsam vermarkten. Wir können ja nicht gegen uns selbst spielen. Es muss eine gewisse Solidarität unter den Clubs geben, anders ist eine TV-Vermarktung nicht sinnvoll."

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