Djuricin-Experiment

Führte Taktik-Fehler zu Rapid-Debakel?

Rapid probierte gegen die 'Super-Bullen' eine neue taktische Variante und scheiterte.

Der große Aufreger aus Sicht von Rapid im Spitzenspiel gegen Salzburg (1:4) war der nicht gegebene Elfmeter in der 82. Minute. ÖFB-Teamspieler Xaver Schlager stand dabei im Mittelpunkt, als es nach seiner Attacke an Thomas Murg keinen Strafstoß gab - im Gegenzug erzielten die Gäste das 4:1. "Es war eine Berührung da, ich weiß nicht, ob es ein Elfer war. Der eine Schiedsrichter gibt ihn, der andere nicht", erklärte Schlager.

Für Rapid-Coach Goran Djuricin war die Situation klarer. "Das ganze Stadion hat gesehen, dass es ein Elfer war, nur der Schiedsrichter nicht." Der Wiener wollte aber die Niederlage nicht auf diese strittige Situation zurückführen. "Wir sind in der ersten Hälfte teilweise zu hoch gestanden, hatten Probleme mit ihren schnellen Spitzen, waren taktisch nicht so diszipliniert", analysierte Djuricin.

Die - nach einer knappen halben Stunde wieder revidierte - Umstellung auf eine Dreierkette sei "in die Hosen gegangen", gab der Rapid-Trainer zu. "Das nehme ich auf meine Kappe, doch es war nicht der Grund für die Niederlage. Wir haben einfach sehr viele Fehler gemacht. Drei, vier Spieler hatten einen schwarzen Tag."

Experiment mit Dreierkette klappt nicht

Dieser Ansicht war auch Thomas Murg. "Die erste Hälfte war eine Katastrophe, da waren wir richtig schlecht. Die Taktik spielt keine Rolle, wenn man keine Leidenschaft zeigt. Was soll der Trainer machen, wenn sich Spieler verstecken und keine Zweikämpfe führen?"

Kapitän Stefan Schwab verteidigte die Variante mit drei Innenverteidigern ebenfalls. "Sturm und LASK haben Salzburg so geschlagen. Bei uns ist es leider nicht aufgegangen." Allerdings sind die Grazer und die Linzer dieses System gewöhnt, während Rapid Neuland betrat. Man habe die Dreierkette in der vergangenen Woche zweimal in Trainings geübt, verriet Djuricin, der normalerweise auf ein 4-2-3-1 setzt.

Nun ist für die Hütteldorfer die letzte theoretische Chance auf Platz zwei und damit auf die Champions-League-Qualifikation dahin. In den letzten Spielen daheim gegen Altach und auswärts gegen den WAC soll der dritte Platz vor dem einen Punkt zurückliegenden LASK abgesichert werden, was den Einstieg in der dritten und nicht schon in der zweiten Runde der Europa-League-Qualifikation bedeuten würde. "Wir haben es noch immer selbst in der Hand", betonte Djuricin.

Rapid als Bullen-Lieblingsgegner

Rapid schwingt sich immer mehr zum Lieblingsgegner von Red Bull Salzburg auf. Der Fußball-Meister brauste über den Rekordmeister hinweg und hält damit nach den jüngsten zwölf Pflichtspielen gegen Grün-Weiß bei neun Siegen und drei Unentschieden.

Die "Bullen" setzten diese Serie fort, obwohl sie in dieser Saison 21 Pflichtspiele mehr als Rapid absolviert und zuletzt durch das unglückliche Aus im Europa-League-Semifinale gegen Olympique Marseille und die Cupfinal-Niederlage gegen Sturm Graz schwere Dämpfer erlitten hatten. "Das ist eine Mannschaft mit großem Charakter. Uns können Rückschläge wenig anhaben", stellte Trainer Marco Rose zufrieden fest.

Neben dem Prestigeerfolg in Wien gab es für Salzburg am Sonntag noch weitere gute Nachrichten: Da sich Liverpool über die Premier League für die kommende Champions League qualifizierte, müssen die Mozartstädter erst in der dritten Qualifikationsrunde für die Königsklasse einsteigen. Im Sommer könnte es endlich mit der ersten Teilnahme an der Eliteliga klappen, auch wenn Rose noch nicht so weit vorausblicken wollte. "Wir sollten jetzt einmal den Moment genießen, dann greifen wir gemeinsam neue Ziele an."

Salzburg will noch Rekord brechen

Der Deutsche vermittelte nach der Partie den Eindruck, dass er auch in der kommenden Spielzeit auf Salzburgs Trainerbank sitzen wird. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, wird er mit Zlatko Junuzovic einen prominenten Zugang betreuen. "Wir schätzen die Qualität von ihm und wir schätzen ihn als Mensch. Wir glauben, dass er junge Spieler voranbringen kann", sagte Rose über den Ex-ÖFB-Teamspieler.

Vorerst aber gilt es in den ausstehenden beiden Runden, Munas Dabbur zum Torschützenkönig zu machen und den Bundesliga-Punkterekord zu brechen. Dabbur liegt nach seinem Doppelpack gegen Rapid drei Treffer vor Sturm-Graz-Profi Deni Alar, auf die Bestmarke der Austria aus der Saison 2012/13 mit 82 Zählern fehlen den "Bullen" noch zwei Punkte.

Zum Abschluss geht es daheim gegen Mattersburg und in Wiener Neustadt gegen die Austria. Eine allfällige Bestmarke würde wohl lange bestehen bleiben, schließlich greift ab kommender Spielzeit die Liga-Reform mit Punkte-Halbierung und vier Runden weniger.

Ansonsten geht es nur noch um Punkteprämien, denn aus Salzburger Sicht sind alle Entscheidungen gefallen. "Deswegen ist der Druck weg und wir können in manchen Situationen mehr Risiko nehmen und mehr Spaß haben", meinte Xaver Schlager.

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