Harte Attacke

Scharner: "Alaba darf machen, was er will"

Klare Worte vom 37-Jährigen: Er rechnet mit Superstar und Teamchef ab.

Paul Scharner flog einst nach einem Disput mit Teamchef Marcel Koller aus dessen Kader. Im März wirbelte Kritik von Ex-ÖFB-Kickers, der im Jahr 2013 seine erfolgreiche Karriere beendet hatte, viel Staub auf. Nun legt er nach: Im Interview nach dem 1:1 der Österreicher in der WM-Qualifikation bei den Iren Klartext.

+++ Rekordinternationaler als Teamchef? Herzog ist schon im Gespräch +++

ÖSTERREICH: Was läuft bei Marcel Koller falsch?

Paul Scharner: Ich hab schon vor der EURO gesagt, dass es ein Fehler war, den Vertrag mit ihm vorzeitig zu verlängern. Was mir in letzter Zeit aufgefallen ist: Das Abhängigkeits-System, das Koller aufgezogen hat, funktioniert einfach nicht mehr.

ÖSTERREICH: Können Sie uns das genauer erklären?

Scharner: Koller sagt: "Du bist zwar nicht Stammspieler, ich stehe aber zu dir. Dafür machst du alles, was ich sage." Es hat zweieinhalb Jahre geklappt. Aber irgendwann stellt sich der Erfolg nicht mehr ein - und dann ist es vorbei.

ÖSTERREICH: David Alaba hat sich offenbar nicht sagen lassen, was er zu tun hat …

Scharner: Der hat eine Sonderstellung, der darf machen, was er will. Damit haut er aber genau genommen das System zusammen. Indem Koller das zulässt, schneidet er sich ins eigene Fleisch.

ÖSTERREICH: Muss Alaba auch im Team links hinten spielen?

Scharner: Die linke Seite ist eine Baustelle. Aber nur, weil Alaba, DER Linksspieler in Europa, nicht dort spielen möchte. Bei den Bayern kriegt er das nicht. Da kann er nicht sagen: Da laufe ich nicht auf …

© APA

(c) APA

ÖSTERREICH: Mit anderen Spielern geht Koller weniger sensibel um. Vor dem Irland-Lehrgang platzte ihm wegen Sebastian Prödl und Andreas Ulmer der Kragen …

Scharner: Ulmer hat Charakter bewiesen und gesagt: Ich lasse mir nicht jahrelang auf der Nase herumtanzen und ständig irgendwelche Ersatzleute vorsetzen. Aber wenn plötzlich Not am Mann ist, soll ich einrücken?

ÖSTERREICH: Und Prödls Kritik am FIFA-Spieltermin nach Meisterschaftsende?

Scharner: … kann ich auch verstehen. In England hast du nicht einmal ansatzweise eine Pause im Winter. Der Länderspiel-Termin war wirklich unglücklich.

+++ 1:1-Remis in Irland: Harte Kritik an ÖFB-Superstar David Alaba +++

ÖSTERREICH: Andererseits bekommen unsere Spieler die Annehmlichkeiten eines Fünf-Sterne-Innenstadt-Hotels …

Scharner: Optimal ist das nicht mit der komplizierten Anreise zum Training in der Südstadt. Ich bin ein Fan von Lindabrunn. Dort hast du alles vor Ort. Aber gewisse Per­sonen müssen ja unbedingt im ersten Bezirk logieren.

ÖSTERREICH: Soll Koller vorzeitig gehen?

Scharner: Ich habe gesagt, er ist nicht der richtige Mann für die Endrunde. Da will ich ihm schon die Chance geben, sich zu qualifizieren. Abgerechnet wird zum Schluss!

Knut Okresek

Posten Sie Ihre Meinung