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ÖSV-Beben

Missbrauch: Ex-Ski-Star kontert Vorwürfe

Immer mehr sprechen über die Vorwürfe. Jetzt antwortet eine Kollegin.

Die Anschuldigungen könnten nicht schlimmer sein: Auf oe24.TV erzählt Ex-Ski-Star Nicola Werdenigg von den Qualen, die sie als Sportlerin einst in den 1970er-Jahren im Weltcup durchmachen musste.

Sie packt aus: "Ich habe mit Trainern zu tun gehabt, die mich belästigt haben. Wenn Alkohol geflossen ist, und es floss viel Alkohol, wusste man, man muss sich in Acht nehmen" (siehe Interview unten).

Eine weitere Top-Sportlerin, die anonym bleiben will, erzählte dem Standard: "Damals ist jeder etwas passiert." Ein Coach versuchte, sie in einem Hotel zu vergewaltigen. "Er sagte, ich sei heute dran."

ÖSTERREICH startete einen Rundruf bei Ski-Sportlerinnen aus der Ära. Sie alle wollen von Missbrauch nichts gewusst haben. "Wenn wir was gemacht haben, haben wir es freiwillig gemacht", sagt Brigitte Totschnig (1976 Olympia-Zweite der Abfahrt).

 

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Vorwürfen sorgen für Debatte

Kollegin Monika Kaserer sagt, sie war "völlig perplex", als sie diese Anschuldigungen gehört hat. Nachsatz: "Wenn man sich auf den Schoß von jemandem setzt, gehören zwei dazu." Über die Beschuldigten sagt sie: "Die leben alle nicht mehr, wie sollen die sich rechtfertigen?"

Auch Katharina Gutensohn will niemals etwas bemerkt haben: "In meiner Zeit gab es keine Vorfälle, außer das ganz normale Interesse-Zeigen zwischen Mann und Frau." Jahrhundert-Sportlerin Annemarie Moser-Pröll regte zunächst mit ihren Aussagen auf ServusTV auf: "Da gehören immer zwei dazu."

Auf Anfrage von oe24.TV relativiert sie: "Ich bin gefragt worden wegen Pärchenbildung im Ski-Zirkus. Zum Beispiel Rosi Mittermaier sowie Christian Neureuther oder Benni Raich und Marlies - da habe ich gesagt, die sind auch nicht vergewaltigt worden …"

Klammer: "Heftige Anschuldigungen"

Die 70er waren auch die Zeit von Superstar Franz Klammer. Der reagiert geschockt: "Die Vorwürfe sind heftig. Natürlich war das damals eine andere Zeit. Und natürlich gab es damals wie heute das eine oder andere 'Pantscherl'. Aber von Vorfällen von dieser Heftigkeit habe ich nichts mitbekommen", stellt er gegenüber ÖSTERREICH klar.

Insider berichten indes, dass Vorfälle bekannt waren und vertuscht wurden. Bis heute. ÖSV-Chef Schröcksnadel verspricht, einen "kurzen Prozess" mit Tätern zu machen.

Totschnig: "Wenn wir was machten, dann freiwillig"

Der Ex-Skistar Totschnig (jetzt Habersatter) meldet sich im Interview zu Wort.

ÖSTERREICH: Was sagen Sie zu den Enthüllungen?

Brigitte Habersatter: Mir ist nichts aufgefallen, niemals habe ich von sexuellem Missbrauch gewusst.

ÖSTERREICH: Wie ist es wirklich zugegangen damals?

Habersatter: Wenn wir was gemacht haben, dann haben wir es freiwillig gemacht.

ÖSTERREICH: Und das geschah häufig?

Habersatter: Bei den Übersee-Rennen haben wir alle in einem Hotel zusammen gewohnt. Das waren meistens die letzten Rennen der Saison. Da hast a Gaudi gehabt mit den anderen Mannschaften. Aber da war kein Missbrauch.

© TZOE/Artner

Werdenigg: "Dann musste man aufpassen"

oe24.tv: Ihr Martyrium begann schon mit 13 Jahren im Internat.

Nicola Werdenigg: Wir hatten einen pädophilen Heimleiter, der Buben sexuell missbraucht hat. Das war ein Schock. Nachdem ich mit 15 in den Weltcup eingestiegen bin, hat mich ein Skifabrikant bedrängt.

oe24.tv: Sie wurden von zwei alkoholisierten Teamkollegen belästigt, einer von ihnen hat Sie vergewaltigt.

Werdenigg: Das ist eines der schlimmsten Dinge, die einer Frau passieren können. Ich habe es erzählt, um ein Tabu zu brechen. Es hat sehr gut getan.

oe24.tv: Eine Teamkollegin wurde vom Trainer vergewaltigt. Haben Sie das mitbekommen?

Werdenigg: Ich war im Zimmer nebenan. Ich weiß, was sie ertragen musste. Ich hatte auch Trainer, die mich belästigt haben. Wenn Alkohol geflossen ist, wusste man, man muss sich in Acht nehmen.

oe24.tv: Klagen Sie auch den ÖSV an, der das jahrelang zugelassen hat?

Werdenigg: Man will den reinen, sauberen Nimbus des Skisports bewahren. Aber so ist es nicht. Im ÖSV sitzen die Männer oben. Die Frau wird als Mensch zweitrangig gesehen.

oe24.tv: Kolleginnen von ­Ihnen sagen, es ist nicht so schlimm zugegangen.

Werdenigg: Ich will mich zu den Wahrnehmungen meiner Kolleginnen nicht äußern. Ich nehme nicht an, dass man das nicht mitbekommen hat.

oe24.tv: Fordern Sie Konsequenzen für die Täter?

Werdenigg: Dann hätte ich vor 40 Jahren Anzeige erstatten müssen. Jetzt nützt das nichts. Es nützt auch nichts, 40 Jahre später Männer öffentlich anzuprangern. Es geht darum, dass es nicht mehr passiert.

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