Vorwürfe gegen Kahr

Sex-Skandal im ÖSV: Das sagt Werdenigg

Im neuen Sex-Skandal geht es um die frühere Trainer-Legende Charly Kahr.

"So, heut kommst du dran!", soll Ex-Damen-Cheftrainer Karl "Charly" Kahr, heute 85, 1976 im Hotel in Quebec, ­Kanada, einer Rennläuferin gedroht haben. Die Frau erzählt laut Süddeutscher Zeitung, dass Kahr sie damals in sein Zimmer gezerrt und auf sein Bett geworfen habe.

"Neben ihm war noch ein Bett", sagt die Frau, die anonym bleiben möchte: "Dort lag der Toni Sailer drin, relativ besoffen, zwei leere Whiskeyflaschen neben ihm. Auf dem Nachttisch vom Kahr stand auch eine leere Flasche. Ich glaube, Sailer hatte den Oberkörper frei, er hat auf jeden Fall gegrinst."

Im Protokoll heißt es weiter: "Kahr hat mich am rechten Handgelenk festgehalten, er hat mir fast die Hand gebrochen. Irgendwie habe ich Kahr von mir runtergewälzt und mich losgerissen, ich hatte ja Gott sei Dank etwas Kraft."

16-jährige Läuferin im Zimmer vergewaltigt

Es blieb beim Vergewaltigungsversuch. Nicola Werdenigg, die im November 2017 die ersten Sex-Vorwürfe im ÖSV aufgedeckt hatte, erinnert sich in ÖSTERREICH: "Ja, so war es, meine Kollegin hat mir das damals auch erzählt", sagt sie. Schon zuvor soll Kahr eine 16-jährige Läuferin vergewaltigt haben: "Ich habe schon geschlafen, da ist Kahr auf einmal ins dunkle Zimmer gekommen und hat mich vergewaltigt", sagt sie zur Süddeutschen: "Ich habe ihn erst bemerkt, als er schon auf mir lag. Er war ganz sicher nicht betrunken. Ich hätte mich wehren sollen. Aber das traust du dich in dem Moment nicht."

Und: "Er war mein Trainer, du hast zu ihm aufgeschaut als 16-Jährige. Ich bin einfach dagelegen, habe keine Reaktion gezeigt. Ich hatte zum Glück keine Verletzungen. Ich war ein junges Mädchen, ein bisschen dumm und unerfahren, da hat er die Situation ausgenützt." Es gilt die Unschuldsvermutung.

Kahr, der legendäre "Downhill-Charly" und Entdecker von Annemarie Moser, bestreitet die Vorwürfe. Sein Anwalt Manfred Ainedter: "Er weist das entschieden zurück", an den Vorwürfen sei nichts dran: "Ich habe bereits Klage eingereicht gegen jene Frau, die anonym derartige Dinge über ihn behauptet." (wek)

Werdenigg: »Kahr war ein roher Mensch«

ÖSTERREICH: Wussten Sie von dem Vorfall in Quebec?

Werdenigg: Ja, ich wusste es, meine Teamkollegin hat es mir damals erzählt.

ÖSTERREICH: Warum tauchen die Vorwürfe erst jetzt auf, fast 50 Jahre danach?

Werdenigg: Sämtliche Vorfälle, die jetzt bekannt wurden, kommen direkt von den Betroffenen selbst. Sie dienen nicht dazu, Menschen an den Pranger zu stellen. Die große Intention ist es, ein System aufzuzeigen, das damals herrschte. Es soll für Veränderungen sorgen, damit solche Sachen der jungen Generation nicht mehr passieren.

© APA

ÖSTERREICH: Sie behaupten, mit Kahr habe im ÖSV eine Verrohung eingesetzt.

Werdenigg: Toni Sailer war edel, wenn er nicht getrunken hatte. Kahr war ein roher Mensch. Alle hatten Probleme mit seinem Druck. Das, was man von einem guten Coach erwartet, hat er nie erfüllt.

Ainedter: "Klage wegen übler Nachrede eingebracht."

ÖSTERREICH: Kahr wird Vergewaltigung vorgeworfen.

Manfred Ainedter: Es handelt sich um nicht stattgefundene Ereignisse. Er weist das entschieden zurück. Ich habe bereits eine Klage wegen übler Nachrede eingebracht gegen jene Frau, die der­artige Dinge über ihn behauptet. Wer Kahr anklagt, ist ja öffentlich nicht erkenntlich, die Vorwürfe werden anonymisiert vorgetragen. Bei einem Prozess muss sie sich aber aus ihrer Deckung wagen. Da wird sich zeigen, ob das grausame Spiel weitergetrieben wird, unter dem Schutzmantel der Anonymität leere Behauptungen in den Raum zu stellen.

ÖSTERREICH: Wie geht es Kahr?

Ainedter: Er ist entsprechend nervlich zerrüttet und ist nicht bereit, öffentlich etwas dazu zu sagen. Er beteuert, dass an den Vorwürfen nichts dran ist.

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